Steh auf und geh!

VORSICHT BLASPHEMIE!

Es soll ja mal einen Typen mit langen Haaren, Bart und den zu dieser Zeit obligatorischen Latschen gegeben haben, der einem anderen Typen, der traurig am Straßenrand saß, diesen Satz gesagt hat: »Steh auf und geh!«

Oder so ähnlich. Nagelt mich nicht darauf fest, ich bin nicht so fit in Bibelgeschichten. Als also dieser Typ den Penner am Straßenrand sah, gab er ihm bestimmt erstmal etwas Wein. Das war noch diese coole Zeit, wo sie dir nicht nen Schluck Wasser gaben, sondern wo Kinder Wein mit der Muttermilch einsaugten.

Geil!

Wie das zu den Amis passt, bei denen du, nur wenn du eine Flasche Wein in der Öffentlichkeit zeigst, schon verhaftet wirst, dazu komme ich noch. Die Hardcore Protestanten sind sich sicher, Moses wäre mit seiner Arche im Grand Canyon gewesen.

Diese Amis!

Das kommt, wenn man zuviel Psychopharmaka einwirft, dann vergisst man, dass man den gesamten Kontinent geklaut hat. Amerigo Vespucci war Spanier. Die Ureinwohner hatten, bis die Europäer da aufschlugen, noch nie was vom Latschenträger gehört.

Aber ich schweife ab. Jedenfalls bin ich mir sicher, dass der Typ am Straßenrand MS hatte! Wie ich darauf komme?

Also das ist so. Ihr wisst doch alle, wie prima man MSler, die im Rolli sitzen wieder auf die Beine bringt, oder? Egal! Jedenfalls brauchst du einigen nur sagen, heb deinen Arsch und geh! Bei anderen ist schon deutlich mehr notwendig. Die bezahlen erst ein kleines Vermögen, reisen dann nach Russland, lassen sich dort in einem versifften Krankenhaus Schweinehirn irgendwo reinbasteln und sind dann euphorisiert bereit, für die Kamera auf dem Gang an der Hand des Chefarztes zu wandeln; bzw. zu wanken.

Der Latschenträger musste vorher natürlich einen Maler engagieren, es gab ja noch keine Kameras!

Aber es hat doch funktioniert, die sind doch gegangen! Na klar sind die das. Wieso sollte ein Rollifahrer, der nach zwei Schritten umfällt, sich nicht umdrehen kann, aus dem Rolli aussteigen? Na! Macht es klick!

Der Latschenträger wusste, wie die MSler ticken.

Also! Wir wissen jetzt, dass es in Russland auch keine Wunderheiler gibt, dass Moses mit seiner Arche nicht aus der Türkei in den Grand Canyon gefahren ist und dass es kaum MSler gibt, die man nicht für ein paar Sekunden gestützt auf die Beine stellen kann.

Der kann ja aufstehen, heißt es immer! Ich sage dann: »Klar man! Weißt du wie praktisch das ist, im Rolli zu sitzen?«

Wie kam ich da drauf? Ach ja! Doping im Prinzip ist Doping ja nichts anderes, als das was Jesus mit dem MSler gemacht hat und die Russen mit dem Schweinehirn. Nur chemisch! Es ist übrigens nicht überliefert, was mit dem Penner am Straßenrand passierte, nachdem sich die begeisterte Menge ihrem neuen Guru zuwandte.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen: »Der ist garantiert umgefallen!«

1902 viele Jahre nach dem erfolgreichen Jesus Happening mit der ersten »Tschaka« Veranstaltung der neuen Zeitrechnung, hat ein deutscher Chemiker was Ähnliches im Keller zusammengebraut; Happening in Pillenform. Jesus Pills!

Jeder Apotheker kannte das Zeug und hat es für ein paar Pfennige an Kunden vertickt.

1995 erhielt Jesus seinen legitimen Nachfolger; nicht falsch verstehen, nur in Sachen Wunderheilung.

Biogen!

Genau und jetzt wisst ihr auch, wieso ich die Amis ins Spiel gebracht habe. Jesus ist nicht durch den Grand Canyon gelaufen, nein! Moses ist da nicht rumgeschippert und Biogen hat einem deutschen Chemiker die Idee geklaut.

Die Amis, also genau genommen die eingereisten Europäer, haben das Rezept zum Y Aminopyridin genommen, es so verändert, dass man damit Millionen verdienen kann und als neue Wunderwaffe Fampridin bei MS verkauft. MSler eigenen sich, wie ihr eben gelesen habt einfach perfekt für solche Wunderwaffen; schon historisch gesehen.

Ich saß wieder mal mit meinem Hausarzt, dem Doktor, wie ich ihn nenne, bei einem Joint und beobachte Don Juan, wie er mindestens zehn Meter hoch durch die Gegend hüpfte, als ich den Doktor fragte: »Sag mal, was macht eigentlich dieses Fampyra?

Zugegebenermaßen war ich nicht mehr voll aufnahmebereit. Und ich meine, dass mir Don Juan zugezwinkert hat.

Jedenfalls lief alles auf Nervendoping hinaus, was der Doktor erzählte. Das Zeug ist ein Kaliumkanal-Blocker, aber wie das heißt ist ja scheißegal, jedenfalls geben die Nerven richtig Gas, wenn man das Zeug einwirft. Das geht ja elektrisch und chemisch in unseren Nerven zur Sache. Schmeißt du ne Pille ein, ist das so, als wenn du dein Auto mit Lachgaseinspritzung fährst.

Ich hatte mal einen Kumpel, dem ist sein Fiat 500 mit Lachgaseinspritzung aber mal sowas von um die Ohren geflogen …

Das sind halt die Nachteile! Erst hui und dann pfui!

Sagen wir mal so, beim Fiat 500 führt zu intensives Doping dazu, dass dir die Karre abfackelt. Die Jungs von der Neurologenkonferenz und deren Kumpels vom DMSG und die Pharmalobbyisten und die Vollpfosten aus Berlin haben sich auf einen Konsens – so nennt man das, wenn man man Reiche noch reicher macht – geeinigt.

»Wir machen das nicht mit Fiat 500!« Golf muss es schon sein! Der fährt auch so schon ganz gut … aber …«

Jedenfalls gibt es Fampyra nur für MSler die sowieso laufen können. Das nennt man Win Win Situation. Bei den anderen könnte das ja zu dem Fiat 500 Debakel führen! Das wiederum finden die Lobbyisten in Berlin scheiße, die Amis trauern um die vielen entgangenen Millionen und wir ..? Na wir können nur hoffen, dass der Golf hält!

Uns hat man wieder angeschissen, diesmal ohne Latschen, mit weniger Risiko. Jesus ist immerhin das Risiko eingegangen, dass der Penner am Straßenrand nicht mal die für Wunder vorgeschriebenen 5 Meter auf zwei Beinen schafft!

Unsere Heiler aus der Schulmedizin nehmen gleich Probanden, die laufen können.

Neulich hatten wir hier ne MSlerin auf der Hipporanch, die meinte, sie könne jetzt mit Fampyra statt 200 Meter 500 Meter gehen.

Als ich das meinem Doktor erzählte, ist der vor Lachen, fasst erstickt. Ich fand‘s nicht lustig, ich rauche aber auch weniger. Und er ist ja nicht krank!

Knapp 200€ im Monat, macht pro Jahr 2400€ für 300€ Meter weiter nutzlos gehen! Wie zum Henker will man mit 500 Meter Gehstrecke einkaufen? Ihr habt doch alle diese beknackten Apps, die dir sagen, wie viel Schritte du noch laufen sollst, um zu den Hypertypen zu gehören.

Das ist win – loose! Nichts anderes.

Statt Training kann man ja Doping machen, vom Arzt verordnet versteht sich!

Einige glauben, dass diese Jesus Wunderheilung einen verdammt langen Beipackzettel verdient gehabt hätte.

Bei Fampyra hat man das vorsichtshalber berücksichtigt und mein lieber Scholli, da kannst du jede Menge Sch…

Was tut man nicht alles, um statt scheiße, nur nein bisschen scheiße laufen zu können, während die Hilfsmittel in der Garage versauern!

Die Kassen zahlen ja! Ach ne, das sind ja wir!

Ich glaube, ich muss etwas weniger rauchen!

Peace Brüder!

Asphaltwestfale (Vorsicht Glosse!!)

Ja, ja! Ich weiß ja, dass viele das nicht hören wollen, besonders das weibliche Geschlecht hoch zu Ross. Und, ja, ich verdiene mein Geld mit Pferden! Oder besser Claudi hält mich mit ihrer Hipporanch aus.

Aber das ist ein anderes Thema. Obwohl das so ist, darf ich mich doch verdammt noch mal aufregen, oder? Und ich musste mich wirklich aufregen. Und nein, ich bin weder gerecht wenn ich mich aufrege, noch ist meine Ansicht politisch korrekt. So das hätten wir!

Ich schildere mal kurz die Situation. Hier auf dem Land gibt es Landwirtschaftswege ohne Ende. Diese Wege durchkreuzen Felder, Wiesen und Äcker. Soweit so gut. Das kennt ihr ja auch schon.

Selbst in der niedersächsischen Tiefebene trifft man – zwar selten, aber regelmäßig – auf Zivilisation. Als würde die Welt aus Äckern bestehen, durchfahre ich die Landwirtschaft. Nur ab und zu sieht man Gehöfte abseits des Weges. Übrigens verwechseln viele Menschen diese Gegenden mit Natur! Das liegt wohl daran, dass der Homoindustriealopitikus eingetrichtert bekommen hat: Grün ist Natur!

Ich glaube, dass grün einfach nur eine Farbe ist. Vielleicht noch eine politische Einstellung, aber mehr nicht. Und ich fahre nicht durch die Natur, sondern durch Produktionsanlagen, die auch noch stinken wie Sau.

Dann treffe ich endlich auf Leben, menschliches Leben. Und es sitzt auf einem Pferd und es kommt mir doch glatt auf dem Radweg entgegen. Ja genau! Du fährst stundenlang durch die Brutstädte der Agrarmafia und begegnest dann den Gäulen, die von den Höfen stammen, an denen du gerade vorbei gefahren bist.

Ich wechsle auf die Straße und rufe: »Hey dämliche Uschi, du hast mit deiner Pferdewurst auf vier Beinen nichts auf dem Radweg zu suchen!«

Vor Jahren noch sparte ich mir die Pferdewurst und das Wort dämlich. Heutzutage startet ein Automatismus, wenn ich die Uschis auf ihren Gäulen sehe. Wenigstens breche ich mir nicht den Hals auf dem vollgeschissenen Radweg. Ich habe drei Räder.

Meist höre ich nicht, was mir die Reiterinnen zurufen. Ist mir auch egal.

Am letzten Sonntag hatte ich eine Begegnung der berittenen Art. Beim Frühschoppen. Die Tochter einer Bekannten hat eine Reitbeteiligung. Ich dachte, nichts Böses ahnend, frag die doch mal, warum Reiterinnen auf den schmalen Straßen zwischen den Äckern reiten und nicht auf den Äckern.

Die Antwort hat mich so geflasht, dass ich mir schon morgens um zehn ein Bier reinpressen musste.

»Die Pferde können auf unebenem Boden doch nicht richtig laufen!«, antwortete die junge Frau, die und das müsst ihr mir wirklich glauben, keinerlei sichtbare Narben am Kopf hatte.

Ein »Westfale« kann also nur auf Asphalt laufen und nicht auf dem begrünten Seitenstreifen, weil es da uneben ist? Aha! Für einen Moment überlegte ich tatsächlich, ob die ganzen Pferdeweiden, die alle paar hundert Meter links und rechts der Wege auftauchen, aus grün bemaltem Beton bestehen.

Der Pferdenarr nickt und der Laie kommt ins Staunen. Es wäre so, dass die Gäule ja immer in der Halle auf mit Sand bedecktem glatten Beton laufen würden. Das war die Begründung!

Daraus schließt diese junge Frau, dass sich eine neue Pferderasse entwickelt hat: »Der Asphaltwestfale«.

Scheißen tun die jedenfalls wie ganz normale Pferde. Wahrscheinlich werden die mit Gummi besohlt, für den besseren Grip.

Leider war ich so baff, dass mir die Frage danach, was denn das für Pferde seien, die auf den Pferdewegen im hiesigen Wald laufen, nicht einviel. Diese extra mit einem blauen Schild für Pferde ausgewiesenen Waldwege, kann man nicht mal mit dem Mountainbike befahren, weil sie so matschig und uneben sind. Für Pferde eben!

Egal.

Was nun so ein Asphaltwestfale mit seiner Uschi auf dem Rücken auf einem Radweg zu suchen hat, erfuhr ich gleich anschließend.

»Dann muss ich doch auf die Straße mit Ikarus! Das ist doch gefährlich, das musst du doch einsehen!«, antwortete die junge Frau sichtlich erschrocken.

Die Antwort gehört zwar in die Kategorie »Erwachsene fragen, Fünfjährige im Kinderhort antworten«, aber was solls. Als ich so darüber sinnierte, wie es wohl riechen würde wenn Ikarus, seinem Namen alle Ehre machen würde, fiel mir eine Nachfrage ein, wofür ich mich selbst loben muss, da es zu einer meiner persönlichen Glanzleistungen zählt, auf eine derart bescheuerte Antwort überhaupt verbal zu reagieren.

»Und was ist mit den Radfahrern, die deinem bockenden Gaul auf einem meist viel zu schmalen Radweg entgegenkommen?«, fragte ich nach.

»Das Pferd ist doch versichert!«

Das Pferd hat also eine Versicherung. Super für das Pferd.

Nach diesem aufschlussreichen Sonntag, nachdem ich nun weiß, warum Reiterinnen den Helm auch mal gern ohne Pferd tragen, hatte ich vor, meinen Helmhersteller, also der, der Fahrradhelme entwickelt, danach zu fragen, ob mein Helm auch den Tritt eines Asphaltwestfalen aushält.

Ich habe dann aber darauf verzichtet. Vielleicht ist der irgendwo ansässig, wo es keine “Natur” mit Pferdehöfen für junge Frauen gibt, die vom Pferd in den Protz-SUV steigen, den sie genauso wenig beherrschen wie die Pferde. Aber der ist doch versichert! Der würde mich bestimmt nicht verstehen, der Helmhersteller.