Asphaltwestfale (Vorsicht Glosse!!)

Ja, ja! Ich weiß ja, dass viele das nicht hören wollen, besonders das weibliche Geschlecht hoch zu Ross. Und, ja, ich verdiene mein Geld mit Pferden! Oder besser Claudi hält mich mit ihrer Hipporanch aus.

Aber das ist ein anderes Thema. Obwohl das so ist, darf ich mich doch verdammt noch mal aufregen, oder? Und ich musste mich wirklich aufregen. Und nein, ich bin weder gerecht wenn ich mich aufrege, noch ist meine Ansicht politisch korrekt. So das hätten wir!

Ich schildere mal kurz die Situation. Hier auf dem Land gibt es Landwirtschaftswege ohne Ende. Diese Wege durchkreuzen Felder, Wiesen und Äcker. Soweit so gut. Das kennt ihr ja auch schon.

Selbst in der niedersächsischen Tiefebene trifft man – zwar selten, aber regelmäßig – auf Zivilisation. Als würde die Welt aus Äckern bestehen, durchfahre ich die Landwirtschaft. Nur ab und zu sieht man Gehöfte abseits des Weges. Übrigens verwechseln viele Menschen diese Gegenden mit Natur! Das liegt wohl daran, dass der Homoindustriealopitikus eingetrichtert bekommen hat: Grün ist Natur!

Ich glaube, dass grün einfach nur eine Farbe ist. Vielleicht noch eine politische Einstellung, aber mehr nicht. Und ich fahre nicht durch die Natur, sondern durch Produktionsanlagen, die auch noch stinken wie Sau.

Dann treffe ich endlich auf Leben, menschliches Leben. Und es sitzt auf einem Pferd und es kommt mir doch glatt auf dem Radweg entgegen. Ja genau! Du fährst stundenlang durch die Brutstädte der Agrarmafia und begegnest dann den Gäulen, die von den Höfen stammen, an denen du gerade vorbei gefahren bist.

Ich wechsle auf die Straße und rufe: »Hey dämliche Uschi, du hast mit deiner Pferdewurst auf vier Beinen nichts auf dem Radweg zu suchen!«

Vor Jahren noch sparte ich mir die Pferdewurst und das Wort dämlich. Heutzutage startet ein Automatismus, wenn ich die Uschis auf ihren Gäulen sehe. Wenigstens breche ich mir nicht den Hals auf dem vollgeschissenen Radweg. Ich habe drei Räder.

Meist höre ich nicht, was mir die Reiterinnen zurufen. Ist mir auch egal.

Am letzten Sonntag hatte ich eine Begegnung der berittenen Art. Beim Frühschoppen. Die Tochter einer Bekannten hat eine Reitbeteiligung. Ich dachte, nichts Böses ahnend, frag die doch mal, warum Reiterinnen auf den schmalen Straßen zwischen den Äckern reiten und nicht auf den Äckern.

Die Antwort hat mich so geflasht, dass ich mir schon morgens um zehn ein Bier reinpressen musste.

»Die Pferde können auf unebenem Boden doch nicht richtig laufen!«, antwortete die junge Frau, die und das müsst ihr mir wirklich glauben, keinerlei sichtbare Narben am Kopf hatte.

Ein »Westfale« kann also nur auf Asphalt laufen und nicht auf dem begrünten Seitenstreifen, weil es da uneben ist? Aha! Für einen Moment überlegte ich tatsächlich, ob die ganzen Pferdeweiden, die alle paar hundert Meter links und rechts der Wege auftauchen, aus grün bemaltem Beton bestehen.

Der Pferdenarr nickt und der Laie kommt ins Staunen. Es wäre so, dass die Gäule ja immer in der Halle auf mit Sand bedecktem glatten Beton laufen würden. Das war die Begründung!

Daraus schließt diese junge Frau, dass sich eine neue Pferderasse entwickelt hat: »Der Asphaltwestfale«.

Scheißen tun die jedenfalls wie ganz normale Pferde. Wahrscheinlich werden die mit Gummi besohlt, für den besseren Grip.

Leider war ich so baff, dass mir die Frage danach, was denn das für Pferde seien, die auf den Pferdewegen im hiesigen Wald laufen, nicht einviel. Diese extra mit einem blauen Schild für Pferde ausgewiesenen Waldwege, kann man nicht mal mit dem Mountainbike befahren, weil sie so matschig und uneben sind. Für Pferde eben!

Egal.

Was nun so ein Asphaltwestfale mit seiner Uschi auf dem Rücken auf einem Radweg zu suchen hat, erfuhr ich gleich anschließend.

»Dann muss ich doch auf die Straße mit Ikarus! Das ist doch gefährlich, das musst du doch einsehen!«, antwortete die junge Frau sichtlich erschrocken.

Die Antwort gehört zwar in die Kategorie »Erwachsene fragen, Fünfjährige im Kinderhort antworten«, aber was solls. Als ich so darüber sinnierte, wie es wohl riechen würde wenn Ikarus, seinem Namen alle Ehre machen würde, fiel mir eine Nachfrage ein, wofür ich mich selbst loben muss, da es zu einer meiner persönlichen Glanzleistungen zählt, auf eine derart bescheuerte Antwort überhaupt verbal zu reagieren.

»Und was ist mit den Radfahrern, die deinem bockenden Gaul auf einem meist viel zu schmalen Radweg entgegenkommen?«, fragte ich nach.

»Das Pferd ist doch versichert!«

Das Pferd hat also eine Versicherung. Super für das Pferd.

Nach diesem aufschlussreichen Sonntag, nachdem ich nun weiß, warum Reiterinnen den Helm auch mal gern ohne Pferd tragen, hatte ich vor, meinen Helmhersteller, also der, der Fahrradhelme entwickelt, danach zu fragen, ob mein Helm auch den Tritt eines Asphaltwestfalen aushält.

Ich habe dann aber darauf verzichtet. Vielleicht ist der irgendwo ansässig, wo es keine “Natur” mit Pferdehöfen für junge Frauen gibt, die vom Pferd in den Protz-SUV steigen, den sie genauso wenig beherrschen wie die Pferde. Aber der ist doch versichert! Der würde mich bestimmt nicht verstehen, der Helmhersteller.